




Wie das Logo entstand:
Ich wurde 1991 gebeten, ein Logo für den neu gegründeten Kinderhospizverein zu entwerfen. Ich ging damals davon aus, dass dieses Logo nur ein Vorläufiges sein würde. Da ich mit der Familie Liz und Richard Volk eng befreundet war, und natürlich auch mit ihren Zwillingen Emily und Hendrik, übernahm ich diese Aufgabe gerne. Auf diese Weise konnte ich auch etwas zur Arbeit des neuen Vereins beitragen. Es freut mich, dass das damals entworfene Logo immer noch verwendet wird und hoffe, dass das Design auch den neuen Mitgliedern des Deutschen Kinderhospizvereins zusagt, so wie denen, die die erste Broschüre damit schmückten.
Als ich das Logo zuerst entwarf, schien mir ein einfaches Design - etwa in der Art, wie Kinder malen mit zwei bekannten Motiven am besten geeignet, die Botschaft von Hoffnung und Kraft für das Kinderhospiz ausdrücken. Die Idee, einen Baum und eine Tür zu zeichnen, ging dabei auf die schönen Erinnerungen zurück, als ich mit Emily und Hendrik im Garten der Familie spielte. Ein wundervoller, geschützter Garten, wo Hendrik und Emily frei herumtollen und spielen konnten. Da gab es viel Platz zum Laufen und Verstecken, wo man Bälle (und andere Gegenstände) werfen konnte und mit kleinen Autos oder Dreirädern fahren konnte. Der Knüller aber war der Sandkasten in der einen Ecke des Gartens, in dem wir viele Stunden damit zubrachten, Sandburgen mit Hilfe ungezählter Eimer Sand zu bauen.
Es gab auch Momente, in denen wir an Sommertagen nur die ruhige und angenehme Umgebung des Gartens genossen, in denen wir mit der Familie und den Freunden an einem langen Tisch unter dem Apfelbaum zusammen saßen.
Es war, als schützte uns der große Baum mit seinem schirmartigen Überhang aus Zweigen und Blättern wie eine Laube. Im Laufe der Jahre wurde der Garten zum Symbol für diese glücklichen Momente und Erinnerungen. Ein geschützter Garten, ein kleines Paradies gleichsam mit umgebender Hecke und mit Büschen hinter dem großen Haus, das die Kinder von den Straßen abschirmte. Aus dem Küchenfenster konnte man Liz` gepflegte und robuste Blumenbeete bewundern, scheinbar unempfindlich gegen herumtollende Kinder, und von hier konnte man die Kinder gut im Blick behalten. Zuweilen schien es mir, als schauten wir in ihren eigenen Garten, in ihre ganz eigene Welt.
Als ich mir überlegte, wie ein Logo für den Verein aussehen könnte, arbeitete ich gerade an einer Serie von Zeichnungen und Bildern mit dem Motiv des Gartens vor meinem eigenen Fenster. Die hohe Pappel direkt vor mir nutzte ich als Hauptmotiv für mein Thema "Passagen". Der Baum wurde dabei zum Bild für den Kreislauf des Lebens und das Fortschreiten der Zeit: vom ruhenden Baum des Winters, der erwacht, ergrünt und wieder stirbt, und in jedem Frühling neues Leben gewinnt. Dieser Baum bleibt immer derselbe Baum, während seine Form und Farbe sich ändern im Wechsel der Jahreszeiten. Beständigkeit und Wechsel. Ich betrachtete meinen Baum als Symbol für Stärke, Ausdauer, Erneuerung und Hoffnung.
Für das Logo schwebte mir die Idee eines Gartens vor, repräsentiert durch einen Baum, und ich ergänzte ihn mit einer Tür, die zu diesem Garten führte. Die Tür war schon ein Hinweis auf die echte und offene Tür des späteren Kinderhospizes in Olpe. Die öffnete sich einige Zeit später auch wirklich, hieß Familien und Kinder willkommen und lud sie ein sich zu erholen und gut betreuen zu lassen. Die Tür im Logo weist so auf die Tür des Kinderhospizes hin, das neue Möglichkeiten eröffnet, eine große Familie bildet, Ort für Gemeinschaft und Pflege ist.
Im Mittelpunkt des Logos steht die Idee eines Gartens, ausgehend vom konkreten Garten der Familie Volk und den Garten des Kinderhospizes vorwegnehmend. In dem Logo sollte sich auch der Garten als symbolischer Ort widerspiegeln, den wir aus der Literatur, vor allem aus Märchen und Kunst, kennen. In vielen Kulturen repräsentiert der Garten seit jeher ein Paradies, einen Wohnort für die Seelen. Für die Babylonier und Ägypter war der himmlische Garten voller Palmen und Feigenbäume. Manche vermuten, dass die Gärten der Sumerer in Kleinasien die Quelle für die Vorstellung des Garten Edens war. In der judäo-christlichen und islamischen Tradition bezeichnet der Garten ebenfalls ein Paradies, als Zustand vor dem Sündenfall und als Versprechen eines Lebens nach dem Tod. Auch im Buddhismus gibt es die Vorstellung eines himmlischen Gartens. Der Garten ist schließlich auch ein Symbol für das Bewusstsein, für das innere Selbst. Der eingefasste und abgeschlossene Garten dient als Bild des Geschütztseins gegen den Unbill der äußeren Welt.
Inmitten dieses Gartens wächst der Baum des Lebens. Ähnlich dem Garten ist auch das Symbol des Baumes ein universelles Symbol, das Wissen oder auch ewiges Leben bedeutet. Es gibt etwa Bilder der frühen Ägypter von heiligen Bäumen mit Baumgöttern und -göttinnen, die aus ihren Kokons schlüpfen. Uns allen vertraut ist der Baum des Lebens mit der Frucht der Unsterblichkeit im Garten Eden der Bibel, und es gibt den legendären Garten Hesperides der Griechen, wo der Sage nach goldene Äpfel auf den Bäumen wuchsen. Der Baum steht dabei oft als Symbol für Schutz, Zuflucht und Nahrung. Er ist auch ein Symbol für Stärke, Regeneration und Transzendenz, da er Himmel und Erde verbindet. Seine Besonderheit ist Widerstandfähigkeit gegen Regen und Schnee, gegen heftige Stürme und gegen die heiße Sonne des Sommers. Ein immergrüner Baum repräsentiert ewiges Leben, während Laubbäume für Erneuerung und Regeneration stehen.
Von den vielen Baumformen wählte ich einen Laubbaum mit seinen Blättern, die den Zugang zum Garten quasi als grünes Dach bilden. Die Blätter haben ihre eigene Bedeutung, denn sie verweisen auf Regeneration und auch Hoffnung. Das "Grün" des gedruckten Logos ergibt sich aus der Wirklichkeit wie auch aus dem traditionellen Gebrauch der grünen Farbe für Frühling, Leben und Hoffnung. Wie der Baum selbst, so verbindet auch die Farbe Grün Himmel und Erde: denn Grün entsteht durch Mischung von Blau und Gelb, das Gelb der Erde und das Blau des Himmels.
Die Symbolik der Motive des Logos soll als Erkennungszeichen die besondere Aufgabe und Bedeutung des Deutschen Kinderhospizvereins hervorheben. Die Betrachter werden das Bild natürlich je nach eigener Vorstellung aufnehmen. Und doch denke ich, dass die Tradition von "Garten", "Baum" und "Tür" als Bilder aus unserer Kulturgeschichte, die das Logo aufnimmt, ihm zusätzlichen Wert verleihen. In diesem Sinne entspricht es vielleicht auch dem konkreten wie ideellen Ziel des Deutschen Kinderhospizvereins, kranke Kinder zu pflegen und Eltern und Geschwister so zu unterstützen, dass sie in der Gemeinschaft auch neue Kraft und neuen Mut schöpfen.
Während ich diesen Aufsatz schrieb (Frühjahr 2001), sind sowohl Hendrik als auch Emily gestorben, im Abstand von kaum zwei Monaten in diesem Frühjahr. So möchte ich diesen Text auch beiden widmen. Heute würde ich vermutlich das Logo etwas anders gestalten, vielleicht schlichter oder weniger dekorativ. Aber das bestätigt ja nur, dass das Logo aus einer bestimmten Zeit heraus entstanden ist. Es erinnert eben an jene guten Tage, als Emily und Hendrik noch die Möglichkeiten des Gartens voll nutzen konnten. Und auch an die Ahnung, dass diese Zeit begrenzt sein würde. Solange der Garten als ihr Spielplatz diente, war er ein wundervoller Ort, und die Erinnerungen an diesen Garten Eden werden bleiben.
Marjorie Cross
Entstehung unseres Logos im Word Format.

